Der Bauer Deutsch

Der Bauer Deutsch

Eine traurige Geschichte

Der Bauer Deutsch und seine Vorfahren hatten ihr Land jahrhundertelang fleißig bewirtschaftet. Es kam zwar immer mal wieder zum Streit mit den neidischen Nachbarn. Trotzdem wurde die Familie Deutsch reich und wohlhabend. Irgendwann kam der Bauer auf die Idee den Zaun an seinem Garten abzubauen und ihn für die Nachbarn zum Selberpflücken zu öffnen „um des Friedens willen“ sagte er und „davon profitieren wir alle“. Und die Nachbarn kamen, bezahlten mehr oder weniger zuverlässig in die aufgestellte Kasse und es waren alle zufrieden. Nach einiger Zeit sprach es sich herum, daß im schönsten Garten des Dorfes jeder zur Ernte kommen könnte. Und es kamen auch arme und bettelarme Leute, die gar kein Geld hatten um die Früchte zu bezahlen. Weil der Bauer ein guter Mensch war beschloß er, daß die Armen nichts bezahlen müssten. Im Gegenteil, jeder bekam bei ihm kostenlose Unterkunft und wurde so versorgt, wie die eigenen Familienangehörigen. Um das zu finanzieren, strich er die Weihnachtsgeschenke für seine Familie und sie mußten jeden Tag etwas länger arbeiten. Kinder die damit nicht einverstanden waren, wurden von der Familie verstoßen. Denn der Familie von Bauer Deutsch ging es im Vergleich zu diesen armen Menschen ja immer noch sehr gut.

Im Laufe der Zeit wurde der Zustrom der Armen immer größer denn es hatte sich bis in den letzten Winkel der Welt herumgesprochen, was für ein guter Mensch Bauer Deutsch doch war. Aber seine Früchte waren inzwischen so teuer, daß kaum jemand sie noch bezahlen konnte. Seine Gäste zertrampelten die Felder und nahmen sich mehr, als sie eigentlich brauchten. „Das müssen wir aushalten“ sprach der gute Bauer und nahm das gerne in Kauf für das hohe Ansehen, das er aufgrund seiner Großzügigkeit nun genoß.

Weil das Essen nun langsam knapp wurde holte man die Vorräte aus dem Keller um über die Runden zu kommen. Immer mehr Kinder von Deutsch verließen den Hof und suchten ihr Glück als Knechte bei Nachbarn, die ihre Höfe noch herkömmlich führten. Das machte Bauer Deutsch gar nichts aus, denn der Zustrom armer Menschen aus aller Welt hielt unvermindert an. Und er freute sich über jeden neuen Gast. Er nannte sie nun auch nicht mehr Gäste, sondern erklärte jeden der kam zu einem neuen Mitglied seiner Familie. So konnte er den Verlust der eigenen Familienmitglieder mehr als kompensieren. Statt mit der Bewirtschaftung des Hofes war er nun aber vollauf damit beschäftigt Streit in der Familie zu schlichten. Und es gab oft Streit, denn diese neue Familie sprach ja nicht einmal mehr dieselbe Sprache.

Bald gab es bei Deutsch kaum mehr etwas zu Essen und Vorräte wurden längst nicht mehr angelegt. Die wenigen Früchte die noch wuchsen wurden schon geerntet und verzehrt bevor sie reif waren. Es kam zu Kämpfen um die letzten Stückchen vom Brot und Kuchen die aus den guten Zeiten noch übrig waren. Aus Wut über die schlechte Versorgung wurden Haus und Hof verwüstet und schließlich vollständig niedergebrannt. Der Bauer saß am Ende alt und allein auf den Ruinen seines ehemals so stolzen Anwesens. Daß er irgendwas falsch gemacht hatte, daran glaubte er bis zu seinem Ende nicht. Gute Taten werden sich schon irgendwann noch auszahlen, davon war er bis zuletzt fest überzeugt. Gleich nach seinem Tod wurde das Land unter den Nachbarn aufgeteilt. Und was ist aus den Kindern des Bauern geworden? Sie denken manchmal zurück an die schöne Zeit, als man noch gemeinsam am reich gedeckten Tisch saß und hinausblickte auf ein blühendes Land das es nun nicht mehr gibt.

Übersetzung von Hiro Shima

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